Christian-Schreiber-Haus

 Mit Tracht, Tattoos und

Kettensäge den Uferweg befreit.

 

72-Stunden-Aktion Jugendliche, Ordensschwestern, Bauhofarbeiter und Ortsvorsteher
richten am Peetzsee in Grünheide eine Spazierstrecke wieder her. Von Manja Wilde
Den Schleier auf dem Kopf, ein grünes Tattoo auf der Stirn und den
Laubbesen in der Hand, steht Ordensschwester Ethel Maria an einer verwitterten Treppe
aus Hölzern. Die Frau im langen, blauen Rock strahlt, während sie Gesträuch und Blätter beiseite
fegt. Gerade legt sie zwei rostige Metallbügel frei, die aus dem Bo-
den ragen. Sie erinnern daran, dass es dort früher mal einen
Brunnen mit Pumpe gab. Im Wald zwischen Peetz-see-Ufer und Straße Am Schlan genluch wimmelt es an diesem Sonnabendvormittag nur so von Menschen mit Astscheren, Sägen,
Harken, Spaten und Schippen .Die meisten tragen grüne T-Shirts, einige grüne Tattoos. 72-Stun-
den-Aktion ist darauf zu lesen. Ihr Ziel: den verwilderten Uferwanderweg reaktivieren.
85 000 Helfer packen an

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend hat 2019 zum zweiten Mal bundesweit zur 72-Stun-
den-Aktion aufgerufen. 85 000Teilnehmer haben sich angemeldet, steht auf der zugehörige
Internetseite. Es geht darum, etwas für das Gemeinwohl zu tun.
Das Christian-Schreiber-Haus in Grünheide, das zum Erzbistum Berlin gehört, beteiligt sich
erst-mals an der Aktion. „Ist doch eine
gute Sache, wenn man nicht nur still für sich Gottesdienst feiert“, sagt Antonia Riebe. Die 20-Jährige
absolviert ihren Bundesfreiwilligendienst in der Einrichtung, die nur einen Katzensprung vom
Peetzseestrand entfernt liegt. Schwester Rafaelis, die zur Ordensgemeinschaft der „Schwestern unserer Lieben Frau“ gehört, ist im Haus für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Jahrzehntelang nicht gepflegt Und darum spazierte sie eines Tages in die Sprechstunde von
Grünheides Ortsvorsteher UweWerner, um zu erfahren, wie man dem Ort Gutes tun könne. „Mir ist gleich der Weg eingefallen“,
sagt Werner. „Zu Ostzeiten war hier unten, am Wasser, mal ein Zeltplatz“, erzählt der
Ortsvorsteher. Aus dieser Zeit rühre auch der Weg, der teils der Gemeinde, teils dem Forst gehöre. „Seit Jahr-
zehnte wurde er nicht gepflegt“, sagt Uwe Werner. Bei der 72-Stun-den-Aktion packt auch er an.
Mit Jens Blechschmidt vom Bauhof der Gemeinde ist er fürs Grobe zuständig. Einen morschen
Baum haben die Männer bereits gefällt. „Der lag schon halb auf der Treppe, da war Gefahr im
Verzug“, sagt Werner. Besonders schlimm sei der Müll, den Hauboot-Fahrer gern am Ufer abstellen würden. Jens Blechschmidt
hatte mit den Hinterlassenschaften von Anglern zu kämpfen – ein dickes Knäuel Sehne legte beinahe seine Motorsäge lahm. Rund einen Kilometer ist der Uferweg lang. Dort, wo die Straße Am Reiherhorst in die Straße am Schlangenluch übergeht, beginnt er. An kleinen Badestellen führt er entlang, am großen Badestrand und, von 8 bis 20 Uhr, darf man auf ihm auch die Gartenanlage
durchqueren, die am Ufer liegt. Peter Matzke gehört zu den acht Parteien, die dort eine Parzelle
haben. „Toll, die Aufräum-Aktion“, sagt der 73-Jährige. Die Gefahr, die von den abgestorbenen Bäumen ausgehe, habe er schon öfter in der Gemeinde angesprochen, ergänzt Matzke.
Nicht nur Grünheider packen mit an. Noel Maris Momb i aus Henningsdorf, Gisele Nubuhoro aus Rüdersdorf und Teresiah Ngugi aus Velten von der Englisch muttersprachlichen Gemeinde Berlin sind dabei. Und Rosalie Wibbels aus Schöneiche.
„Gutes tun, tut gut“, sagt die 17-Jährige. „Es ist einfach ’ne coole Sache“, findet Katja Illner, 21 ,aus Berlin, die mit einer Astschere unterwegs ist. Auch auf ihrer Stirn prangt das grüne Tattoo der 72-Stunden-Aktion.

Bericht und Fotos von Manja Wilde